Das Projekt auf einen Blick
Bellaria Kino, Museumstraße 3, Wien — Gegründet 1911. Wiedereröffnet 2026.
Gründungsjahr
Jahre Restaurierung
rote Samtsessel
Ezcaray Bruselas
Technologiepartner
Es gibt Kinos, und es gibt Institutionen. Das Bellaria versteckt hinter dem Wiener Volkstheater in der Museumstraße, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. 1911 eröffnet, war sie einen Großteil des 20. Jahrhunderts ein kultureller Bezugspunkt, der ein treues Nachmittagspublikum für Filmklassiker der Zwischen- und Nachkriegszeit anzog und zugleich ein leiseres, aber ebenso hingebungsvolles Arthouse-Publikum am Abend pflegte. Als der langjährige Betreiber Erich Hemmelmayer Ende 2019 aus wirtschaftlichen Gründen aufgab, wurde es im Bellaria dunkel. Für eine Stadt, die stolz auf ihre lebendige Beziehung zum Kino ist, war dieser Verlust schmerzlich spürbar.
Mehr als fünf Jahre später ist das Bellaria zurück. Am 16. April 2026 wurde das Kino unter neuer Eigentümerschaft wiedereröffnet — eine Kooperation zwischen den Filmverleihern und Kinobetreibern Sophie und Michael Stejskal (die mit dem Filmladen auch das De France und das Votivkino führen), Lisa Stolze (zuständig für das Marketing aller drei Häuser) sowie den Gastronomiepartnern Moritz Baier und Daniel Botros vom Café Liebling, die die neu gestaltete Bar des Hauses übernommen haben. Die Restaurierung war aufwendig: Denkmalschutz, eine globale Pandemie und eine Reihe „kurzfristig aufgetauchter technischer Probleme" verschoben die ursprünglich für 2022 geplante Eröffnung um vier Jahre. Aber das Ergebnis hat das Warten gelohnt.
Im Zentrum der technischen Transformation — die Verwandlung eines geliebten, aber in die Jahre gekommenen Einsaalkinos in ein hochmodernes Boutiquekino unter vollständiger Wahrung seines Charakters — stand das österreichische Team von CinemaNext.

Fotocredit: (c) Stefanie Weberhofer
Die Herausforderung: die Vergangenheit respektieren, die Zukunft ermöglichen
Die Renovierung eines denkmalgeschützten Gebäudes für den modernen Kinobetrieb ist nie unkompliziert. Teile des Bellaria stehen formell unter Schutz: die kunstvollen Foyerleuchten, die Schnallen, mit denen man die Glasvitrinen der Fassade öffnet, sowie die ikonischen Schriftzüge am Eingang, darunter das geschwungene „Bellaria", das in Kürze wieder rot leuchten wird. Auch die berühmte Blümchentapete im Foyer wurde bewusst beibehalten. CinemaNext stand vor der Aufgabe, eine vollständige, zeitgemäße technische Installation zu liefern, die im besten Sinne unsichtbar bleibt: transformativ für das Erlebnis, unauffällig für das Auge.
Für ein Gebäude, das zuvor weder über eine Belüftungsanlage noch über einen professionellen Schallschutz verfügte, geschweige denn über einen eigenen Projektionsraum, war dies kein kleines Unterfangen. Das Installationsteam von CinemaNext arbeitete daran, ein vollständig boothless ausgelegtes Projektionssetup zu integrieren und modernste Kinotechnik nahtlos in die Substanz eines Gebäudes einzufügen, das eröffnet wurde, als Stummfilme noch die Norm waren.
„Im Grunde wäre es billiger gewesen, alles niederzureißen und ganz neu zu machen."
— Michael Stejskal, Miteigentümer, Bellaria Kino
Die Technik: Präzisionswerkzeuge für eine Boutique-Leinwand
Das Herzstück der CinemaNext-Installation ist ein Barco SP2K7 Laserprojektor — eine kompakte, effiziente und leistungsstarke Einheit, die ideal für den intimen Saal mit 123 Plätzen geeignet ist. In einer boothless Konfiguration mit dem P-SBOX Hushbox von CinemaNext eingesetzt, liefert der SP2K7 ein gestochen scharfes, helles 2K-Bild ohne die Infrastrukturanforderungen einer klassischen Projektionskabine — ein Ansatz, der sich angesichts der denkmalpflegerischen Vorgaben und der räumlichen Grenzen des Gebäudes als unerlässlich erwies. Das Ergebnis ist eine Bildqualität, die für das ursprüngliche Publikum des Kinos unvorstellbar gewesen wäre, geliefert mit einer Zurückhaltung, die jedes Detail des restaurierten Interieurs respektiert.
Der Ton war ebenso entscheidend. CinemaNext spezifizierte und installierte JBL -Verstärker und brachte damit professionelle Audioqualität in einen Raum, der zuvor praktisch keine akustische Isolierung besaß. Der neue Schallschutz — ebenfalls eine Premiere für das Bellaria — wirkt im Zusammenspiel mit dem JBL-Kinosystem und schafft eine einhüllende Klangumgebung, die jedem Genre zugutekommt, das das Kino zu programmieren plant, vom flüsterleisen Arthouse-Drama bis zum opulent vertonten Filmklassiker.
Komplettiert wird das Zuschauererlebnis durch die Bestuhlung von Ezcaray. Die 123 nagelneu-bequemen roten Samtsessel des Modells Bruselas vollbringen die beachtliche Leistung, zugleich zeitgemäß und vollkommen stimmig mit dem historischen Charakter der Bellaria zu wirken. Für ein Haus, dessen Eigentümer sich bewusst sind, dass sich auch ihr älteres Publikum willkommen statt befremdet fühlen muss — „sie sollen sich auch wohlfühlen und nicht das Gefühl haben, dass hier alles durchmodernisiert wurde", wie Sophie Stejskal betont — war die Wahl der Bestuhlung alles andere als ein Nebenaspekt.
Fotocredit: (c) Stefanie Weberhofer
Technische Ausstattung
Projektion: Barco SP2K7 boothless installation, 2K digital cinema
Ton: JBL Lautsprecher und Verstärker
Bestuhlung: Ezcaray Bruselas
Format: CinemaNext P-SBOX boothless Projektion — denkmalschutzsensible
Installation Kapazität: 123 Plätze, Einsaalkino
Eine Boutique-Vision, umgesetzt
Die Stejskals beschreiben die neue Bellaria als „Boutiquekino", und jeder Aspekt der Renovierung spiegelt diesen Anspruch wider. Die Popcornmaschine wurde, wie Moritz Baier erklärt, „extra nicht im American Diner-rot, sondern in Schwarz" bestellt, weil das besser zum Charakter dieses Boutiquekinos passe. Die Bar, geführt von Baier und Botros, wurde so gestaltet, dass sie sich auch außerhalb der Kinoöffnungszeiten etablieren soll — mit Drinks, etwa einem noch geheimen „Bellaria-Spritz", und Snacks. Die Schwarz-Weiß-Fotografien von Filmgrößen, die einst das Foyer säumten — von Hans Holt bis Marika Rökk —, sind im Lauf der Zeit leider verloren gegangen, doch der Geist, den sie verkörperten — die Liebe zum Kino als Kultur, nicht bloß als Unterhaltung — wurde sorgfältig bewahrt.
Die Programmphilosophie folgt derselben Logik. Das neue Bellaria versteht sich als „Repertoirekino", das aktuelle Arthouse-Produktionen mit Filmklassikern mischt, betrachtet aus einer internationaler gedachten Perspektive als im alten Bellaria. Originalfassungen mit deutschen Untertiteln sind in diesem Segment die Regel, wobei das Team die Vorlieben eines älteren Publikums, das vielleicht synchronisierte Fassungen bevorzugt, mit Bedacht berücksichtigt — hier werde man noch „an verschiedenen Schrauben" drehen, eine Feinheit, die zeigt, wie aufmerksam die Betreiber ihrer Community zuhören.
„Sie gehen vielleicht nicht in dieselben Filme, aber sie kommen alle."
— Sophie Stejskal, Miteigentümerin, Bellaria Kino
Die stille Renaissance des Kinos
Die Wiedereröffnung des Bellaria fällt in einen Moment, den die Stejskals als echte „Renaissance" des Kinos beschreiben. Während im Multiplex-Bereich der Fokus noch stärker auf einzelnen Blockbustern liege, verteile sich im Arthouse-Bereich das Publikumsinteresse, so ihre Einschätzung, „sehr wohltuend auf die gesamte Zahl der Filme". Ins Kino gehen alle: die Jungen, die Mittleren und die Alten. Die Wiener Kinolandschaft steht damit auf soliden Beinen.
Für CinemaNext steht das Bellaria-Projekt für etwas, das über einen Standardauftrag hinausgeht. Es ist ein Beleg dafür, was möglich ist, wenn technisches Know-how, Denkmalsensibilität und ein gemeinsames Bekenntnis zur Zukunft des Lichtspielbetriebs in einem Gebäude zusammenkommen, das wirklich von Bedeutung ist. In einer Stadt, die ihre Kinos ernst nimmt, ist die Rückkehr des Bellaria Kinos Anlass zu echter Freude.
Die 123 roten Samtsessel warten. Der Barco-Projektor läuft. Das JBL-System ist eingemessen. Und irgendwo im Foyer hängt nach wie vor jene ikonische Blümchentapete, wie schon seit Generationen — eine kleine, bewusste Erinnerung daran, dass die besten Dinge, mit der richtigen Pflege, Bestand haben.



Wie CinemaNext half, Wiens geliebtes Bellaria wieder zum Leben zu erwecken